Foto gegen Leidensgeschichte: „myself“ verärgert Facebook-Fans

Die Frauenzeitschrift „myself“ sucht auf ihrer Facebook-Seite nach einer Frau, die ein Interview zum Thema Fehlgeburt und gescheiterte künstliche Befruchtung gibt – und erhält eine große Anzahl an Zuschriften …

Doch anstelle einer Frau, die sich für ein Interview mit einem schönen Portraitfoto vom Profifotografen belohnen lassen möchte, melden sich aufgebrachte Fans der Seite. Sie werfen der Redaktion der „myself“ vor, dieses ernste und persönliche Thema unangemessen zu behandeln. Zudem sei ein Portraitfoto keine angemessene Bezahlung. Worte wie „geschmacklos“ und „Ausbeutung“ fallen.

Die Redaktion antwortet auf die ersten Stimmen, die laut werden, mit folgendem Kommentar:

Damit hat sich die „myself“ nun eindeutig im Tonfall vergriffen. Wer auf seiner Facebook-Seite so mit den Fans kommuniziert, darf sich eigentlich nicht wundern, wenn diese sich nicht einfach beschwichtigen lassen. Auch nicht durch eine Entschuldigung in einem weiteren Pinnwand-Eintrag:

Dabei war das Anliegen der Redaktion gar nicht verkehrt. Die über 10.000 Fans der Zeitschrift aktiv anzusprechen und unter ihnen eine Interviewpartnerin zu suchen, ist eine gute Idee. Auch die Auseinandersetzung mit einem solch sensiblen und tabuisierten Thema ist lobenswert. Doch das hilft nichts, wenn der gute Wille durch missglückte Formulierungen torpediert wird – wie in diesem Fall durch die Kombination vom Portraitfoto als Schmankerl fürs Erzählen der Leidensgeschichte.

Ausgerechnet der Aufruf einer Redaktion wird so zum Musterbeispiel dafür, dass im Dialog mit den Fans jedes Wort sorgfältig abgewogen werden muss. Betrachtet man die bisherigen Pinnwand-Einträge, stellt man fest, dass diese sich mit eher trivialen Themen beschäftigen. Den dort angeschlagenen lockeren Ton bei einem ernsten Thema beizubehalten, das ist ein Fehler, den man besser nicht allzu oft macht. So bleibt die ungeschickte Aktion natürlich ein Fauxpas, da wird wohl kein Shitstorm draus. Aber eine kleine Lektion in Sachen Wortwahl und ernsthaft zu führendem Dialog für Unternehmen auf Facebook.

(Maike Baltner)

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Uwe Baltner

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