Die neue Facebook-Chronik – Nachteile für KMUs?
Jay Baer, Autor des Blogs Convince & Convert, hat einige Nachteile der neuen Facebook-Timeline zusammengestellt, die Ende März für alle Fanseiten verpflichtend eingeführt wird. Neben den möglicherweise mangelnden Facebook-Kenntnissen könnte kleineren Unternehmen vor allem die kurze Zeitspanne zur Vorbereitung zum Verhängnis werden.
- Das Titelbild:
Das neue 850 Pixel breite Titelbild ist an sich sicherlich eine Bereicherung. Allerdings mangelt es bei KMUs häufig an Fotomaterial, das dafür verwendet werden kann – oder an kreativen Köpfen, die Zeit und Muße haben, sich damit auseinanderzusetzen. - Verbot der Werbung im Titelbild:
Facebook möchte sicherstellen, dass sich Unternehmen in sozialen Netzwerken wie Menschen verhalten und auf Werbesprache weitestgehend verzichten. Deshalb wird es Unternehmen auch strengstens untersagt, im Titelbild werbende Texte mit eindeutigem Call-to-Action zu platzieren. Stattdessen sollen emotionale Verbindungen im Vordergrund stehen. Die sind für KMUs jedoch häufig schwer abzubilden. - Der Wegfall von Landing-Tabs:
Mit dem Landing-Tab konnten Unternehmen eine kleine Landing Page direkt auf Facebook erstellen, um das Fanverhalten zu beeinflussen. Davon profitierten vor allem kleinere Unternehmen, da sich diese Tabs relativ unaufwändig installieren ließen, dafür eine umso höhere Wirkung erzielen konnten. Mit der neuen Chronik können diese Landing-Tabs nicht mehr als Startseite für den Facebook-Auftritt eingestellt werden. - Beiträge hervorheben:
Mit der neuen Chronik lassen sich Beiträge hervorheben, so dass sie in doppelter Breite in der Chronik erscheinen. Darüber hinaus können Beiträge auch angepinnt werden, damit sie eine Woche lang an oberster Stelle innerhalb der Chronik zu sehen sind. Für kleinere Unternehmen ergibt sich dadurch eine höhere redaktionelle Belastung und Komplexität. Oft ist es schon schwierig genug, sich auf die richtige Art des Contents festzulegen; bald muss auch bedacht werden, welche Seitenbeiträge hervorgehoben werden sollen. - Direktnachrichten:
Mit den Direktnachrichten möchte Facebook wieder Anschluss an Twitter im Bereich Kundensupport finden. Das Feature ist optional, aber bedeutet aktiviert dennoch höheren administrativen Aufwand, da ein zusätzlicher Kommunikationskanal im Auge behalten werden muss. Außerdem erhoffen sich Kunden von diesem Kanal wahrscheinlich eine schnellere Reaktionszeit der Unternehmen. - Neue Tab-Breite:
Die Maximalbreite der Tabs wurde von 520 auf 810 Pixel erweitert, wodurch auf 520 Pixel angepasste Apps etwas leer im Raum stehen. Sie werden zwar automatisch zentriert und fallen deshalb nicht sofort negativ auf, aber ungenutzte Fläche sollte natürlich nicht bestehen bleiben. Letztendlich müssen solche Apps also auf die neue Breite angepasst oder komplett neu gestaltet werden, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Glücklicherweise haben sich bereits einige Unternehmen dieses Problems angenommen und stellen günstige oder gar ganz kostenlose Lösungen zur Verfügung: Lujure, North Social, ShortStack, TabSite oder AgoraPulse. - Premium Ads:
Die neuen Premium-Ads bevorzugen klar größere Unternehmen, die sich das Mindestbuchungs-Budget leisten können. Das macht für Facebook natürlich Sinn, da sie mit solchen Werbepartnern wesentlich mehr Umsatz erzielen können. Allerdings ist davon auszugehen, dass sich mit der Zeit das Angebot an Self-Service-Ads verschmälern wird und KMUs immer weniger Möglichkeiten zugeschrieben bekommen. - Reach Generator:
Mit dem Reach Generator können sich Unternehmen zusätzliche Reichweite kaufen. Facebooks COO Sheryl Sandberg bestätigte, dass ein durchschnittliches, normales Status-Update lediglich 16 Prozent der Fans erreicht. Deshalb biete man jetzt die Option an, diese Reichweite mit dem Reach Generator auf bis zu 75 Prozent zu steigern. Davon profitieren logischerweise vor allem größere Unternehmen mit entsprechendem Budget. KMUs dürften sich dieses zusätzliche Angebot in den seltensten Fällen leisten können. - Echtzeit-Statistiken:
Facebooks Statistik-Tool für Fanseiten kann künftig auch einige Daten in Echtzeit ausliefern. So kann beispielsweise unmittelbar bestimmt werden, welche Status-Updates besonders viel Aufmerksamkeit erregen – um diese anschließend in Werbeanzeigen umzuformen. Allerdings dürften die wenigsten KMUs entsprechende Ressourcen zur Verfügung haben, um ständig Facebook-Echtzeitdaten zu überwachen und derartige Entscheidungen zu treffen. - Meilensteine:
Mit den Meilensteinen haben Fanseiten künftig die Möglichkeit, Status-Updates in die Vergangenheit zu datieren. Damit ist es möglich, beispielsweise die Unternehmensgesichte detailliert darzustellen oder andere interessante Events hervorzuheben. Allerdings kostet dies viel Zeit und Muße und ist deshalb vielleicht ein Schritt zu weit für kleinere Unternehmen. - Auto-Play Content:
Ein neues Feature der neuen Chronik ist es, dass Apps künftig automatisch Content abspielen können – ohne, dass ein Nutzer dafür klicken muss. Das hat natürlich enorme Auswirkungen auf Rich-Media-Content und Video-Apps, dürfte allerdings wiederum nur sehr große Unternehmen mit vielen Ressourcen ansprechen. - Der Zeitraum bis zur Veröffentlichung:
Bis Ende März haben sämtliche Unternehmen Zeit, sich auf die verpflichtende Einführung der neuen Chronik vorzubereiten. 30 Tage um ein Titelbild zu finden, den Landing-Tab zu ersetzen, Beiträge hervorzuheben, Meilensteine einzurichten, herauszufinden, wie Direknachrichten gehandhabt werden sollen und Apps an das neue Design anzupassen. Das ist für viele KMUs eine erschreckend geringe Zeitspanne, um all diese Aufgaben zufriedenstellend zu bewerkstelligen.
Sicher sind nicht alle diese Hinweise brisant, viele mögliche Probleme lassen sich durch etwas Nachdenken und Engagement von vornherein vermeiden. Die neue Chronik ist daher in erster Linie ein Glücksfall für betreuende Agenturen – sie werden sicher bis zum 30. März verstärkt in Anspruch genommen.
(Fabian Tief)
Uwe Baltner
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2 Kommentare to “Die neue Facebook-Chronik – Nachteile für KMUs?”
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Danke für die gute Zusammenfassung!
Darüber hinaus eine Idee, wie man Fan-Postings auf der Timeline so prägnant wie zuvor darstellen lassen kann und nicht etwa nur die Zusammenfassung der “Aktueller Beiträge” oben rechts bzw. durch Umstellen des “Höhepunkte”-Buttons oben mitten auf “Beiträge von anderen”?
Ich hätte das gerne wie ganz normale Popstings direkt in der Timeline…
Grüße,
Flo
Hi, danke für den Kommentar, wir hätten das auch wieder gerne wie vorher – es geht aber unseres Wissens nach einfach nicht. Ich empfinde das als echtes Kommunikations-Hindernis und hoffe, dass Facebook die Änderung nochmals ändert oder rückgängig macht. LG, Uwe