Unternehmen und Facebook-Plugins: So schützen Sie sich gegen Abmahnungen


Die Facebook-Plugins bieten Unternehmen die Möglichkeit, mehr Besucher auf ihre Webseiten zu locken und Markenfans zu generieren. Dazu verwendet Facebook allerdings die Nutzerdaten, was datenrechtliche Fragen aufwirft. Wir gehen diesen nach und geben Empfehlungen für das Einbinden der Plugins auf Unternehmens-Webseiten.

Die Themen:
1. Facebook-Plugins – Nutzen und Risiken
2. Rechtliche Fragen
3. Urteile
4. Empfehlungen
5. Datenschutzhinweis

1. Facebook-Plugins – Nutzen und Risiken

Vom Like- über den Share-Button bis zur mit Fanbildern geschmückten Like Box: Facebook bietet zahlreiche Möglichkeiten, die eigene Webseite mit dem sozialen Netzwerk zu verbinden. Das Beispiel des Jeans-Herstellers Levi´s im obigen Bild ist nur eines von vielen. Ziel der von Facebook auf dieser Seite zur Verfügung gestellten Plugins: Der Nutzer kann auf Facebook für Inhalte auf seiner Webseite werben bzw. Seitenbesucher dazu bringen, dies für ihn zu übernehmen. Das geht oft sehr einfach, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Like-Button: Mit einem Klick können Seitenbesucher ihren Freunden auf Facebook mitteilen, dass ihnen eine Webseite gefällt. Inzwischen nutzen Unternehmen den Like-Button auch, um einzelne Produkte „liken“ zu lassen.

Send-Button: Seitenbesucher können Inhalte an ausgewählte Freunde schicken, diese werden dann auf deren Facebook-Pinnwand angezeigt.

Comments: Eine von Facebook zur Verfügung gestellte Kommentar-Box, die Kommentare werden unter Beiträgen sowie optional auf der Facebook-Seite angezeigt.

Activity Feed: Dieses Plugin aggregiert Likes und Kommentare und zeigt automatisch die aktuellsten Aktivitäten von Nutzern auf Webseiten an.

Like Box: Seitenbesucher können über diese Box sofort Fan einer Webseite auf Facebook werden, außerdem kann dieses Plugin die neueste Einträge auf der Facebook-Pinnwand und eine Auswahl von Fans der Facebook-Seite anzeigen. Dabei werden dem Besucher der Webseite bevorzugt Profile von Nutzern angezeigt, mit denen er auf Facebook befreundet ist.

Kurz gesagt: Facebook erlaubt Nutzern, ihre Vorliebe für Statusupdates, Produkte, Fanseiten oder Gruppen auf einfache Art auszudrücken. So baut das Netzwerk Online-Beziehungen auf, die den Reiz von Facebook ausmachen, aber auch detaillierte Informationen über Nutzer generieren. Die Folge: Facebook aggregiert Nutzerprofile und nutzt diese, um auf den Profilseiten der Nutzer vermeintlich passende Werbung anzuzeigen.

Über die auf Webseiten eingebundenen Plugins kann Facebook Nutzerdaten im Internet auch außerhalb der eigenen Plattform sammeln. Das gilt, wenn der Nutzer bei Facebook eingeloggt bleibt, während er auf anderen Webseiten unterwegs ist und dort Facebook-Plugins nutzt. Facebook sammelt Daten über die Aktivitäten des Nutzers auf anderen Webseiten und ergänzt mit diesen das Nutzerprofil.

2. Rechtliche Fragen
Für Unternehmen, die Facebook-Plugnis nutzen wollen, ergeben sich aus der Datensammlung rechtliche Fragen. Auf der Hand liegt die Frage, ob der Nutzer der Webseite darüber informiert werden muss, dass diese mit Facebook verbunden ist – und ob er der Einbindung von Facebook-Plugins möglicherweise sogar zustimmen muss.

Des Weiteren stellt sich die Frage, ob sogar Facebook-Verweigerer über die Plugins erfasst werden. Dies könnte über die IP-Adressen der Seitenbesucher geschehen, die von Facebook gespeichert werden könnten – ein offener Punkt, den deutsche Datenschützer kritisieren. Das gilt allerdings für alle Webseiten, die über Cookies und mit Hilfe von Tools wie Google Analytics die Bewegungen der Nutzer auf ihren Seiten verfolgen.

Im Bundesdatenschutzgesetz (Paragraph 4, Absatz 1) und im Telemediengesetz (§ 12 Abs. 1) ist geregelt, dass Nutzer, deren personenbezogene Daten erhoben werden sollen, zuvor ihr Einverständnis geben müssen. Muss also der Webseiten-Besucher auch zustimmen, bevor ein Facebook-Plugin auf einer Seite geladen werden kann?

3. Urteile
Es liegt kein abschließendes Urteil zur Nutzung von Facebook-Plugins auf Webseiten vor. Allerdings gibt es Entscheidungen in einem aktuellen Fall, der das Thema betrifft. Die Rechtsanwälte vom Blog Spreerecht (die im übrigen eine Like Box auf ihrer Seite eingebunden haben) berichten, das Landgericht Berlin habe einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Nutzung des Like-Buttons abgelehnt.

Dieses Urteil ist laut einer Pressemitteilung auf www.berlin.de durch das Kammergericht Berlin bestätigt worden. Das Problem: Die Gerichte urteilten nur darüber, ob der „Gefällt mir“-Button einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht darstelle, sprich: Wird ein Mitbewerber durch den Button benachteiligt? Die Antwort des Gerichts laut Pressemitteilung: „Der Marktauftritt der Konkurrenz sei durch die Weiterleitung der Daten nicht unmittelbar betroffen.“

4. Empfehlungen
Die Urteile tragen nur wenig zur Klärung bei. Eine Einzelfall-Entscheidung ist nicht bindend, zumal es sich laut Spreerecht um ein Schnellverfahren handelte. Außerdem kann ein Wettbewerber zwar nicht als Unternehmen gegen den Like-Button vorgehen, wohl aber als Privatperson. Sprich: Jeder Besucher einer Webseite kann theoretisch gegen ein Facebook-Plugin gerichtlich vorgehen.

Wie können sich vom Nutzen von Facebook überzeugte Unternehmen (wie die im obigen Bild) dagegen schützen? Eine Abmahnung erfolgt unter Berufung auf den hier verlinkten Paragraphen 13 des Telemediengesetzes. Schutz böte etwa eine Einbindung des Like-Buttons in einer Form, die zunächst nur ein Bild des Buttons mit einer entsprechenden Frage („Jetzt mit Facebook verbinden?“) enthält. Klickt der Nutzer auf das Bild, wird der echte Facebook-Button geladen. Eine Anleitung zu einer Einbindung in dieser Form findet sich auf dieser Webseite.

Der einfachere und momentan ausreichende Weg: Das Unternehmen nimmt einen Hinweis zu Facebook-Plugins in seine Datenschutzrichtlinien auf. Diese finden sich beispielsweise im Impressum und sollten bereits einen Hinweis zu Google Analytics enthalten, falls dieses Tool eingesetzt wird. Ein Beispiel, das auch einen Link zu den Datenschutzrichtlinien von Facebook enthält, sehen Sie im Impressum unserer Webseite.

5. Datenschutzrichtlinien
Der folgende auch von uns verwendete Text kann als Vorlage für einen Hinweis auf die Einbindung von Facebook-Plugins in den Datenschutzrichtlinien verwendet werden. Er stammt von Thomas Helbing, dem Betreiber einer Kanzlei für IT- und Datenschutzrecht.

Unser Internetauftritt verwendet Social Plugins (“Plugins”) des sozialen Netzwerkes facebook.com, welches von der Facebook Inc., 1601 S. California Ave, Palo Alto, CA 94304, USA betrieben wird (“Facebook”). Die Plugins sind mit einem Facebook Logo oder dem Zusatz “Facebook Social Plugin” gekennzeichnet.

Wenn Sie eine Webseite unseres Internetauftritts aufrufen, die ein solches Plugin enthält, baut Ihr Browser eine direkte Verbindung mit den Servern von Facebook auf. Der Inhalt des Plugins wird von Facebook direkt an Ihren Browser übermittelt und von diesem in die Webseite eingebunden.

Durch die Einbindung der Plugins erhält Facebook die Information, dass Sie die entsprechende Seite unseres Internetauftritts aufgerufen haben. Sind Sie bei Facebook eingeloggt kann Facebook den Besuch Ihrem Facebook-Konto zuordnen. Wenn Sie mit den Plugins interagieren, zum Beispiel den “Gefällt mir” Button betätigen oder einen Kommentar abgeben, wird die entsprechende Information von Ihrem Browser direkt an Facebook übermittelt und dort gespeichert.

Zweck und Umfang der Datenerhebung und die weitere Verarbeitung und Nutzung der Daten durch Facebook sowie Ihre diesbezüglichen Rechte und Einstellungsmöglichkeiten zum Schutz Ihrer Privatssphäre entnehmen Sie bitte den Datenschutzhinweisen von Facebook.

Wenn Sie nicht möchten, dass Facebook über unseren Internetauftritt Daten über Sie sammelt, müssen Sie sich vor Ihrem Besuch unseres Internetauftritts bei Facebook ausloggen.”

Aufmerksamkeit, mehr Nutzer und mehr Links: Facebook-Plugins bieten viele Vorteile. Mit einem Hinweis in der Datenschutzerklärung können Sie sich gegen negative Auswirkungen absichern. Sollte es zum Thema neue Urteile oder Erkenntnisse geben, halten wir Sie auf dem Laufenden. Und wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, dann klicken Sie auf den Like-Button. Wir freuen uns. (Uwe Baltner)

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Uwe Baltner

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