Social Media Trendmonitor: Journalisten und der “Nervkram” des Social Web

Der Social Media Trendmonitor 2011 (siehe unten), vorgelegt von der dpa-Tochter news aktuell, bestätig leider eigene Erfahrungen: Ausgerechnet (Print-)Journalisten (und ihre Gegenparts in Unternehmen) stehen Social Media ängstlich bis skeptisch gegenüber.

Immerhin haben sich laut Meedia.de 5.120 Fach- und Führungskräfte an der Studie beteiligt, das klingt ziemlich repräsentativ. Ich möchte hier nicht die Ergebnisse wiederholen, aber die folgenden Details sind schon erschreckend: Nur jeder fünfte Redakteur aus Zeitschriften- und Tageszeitungsredaktionen fühlt sich “gut gewappnet” für den Umgang mit dem Social Web. Zwar empfinden 44 Prozent der Befragten Social Media als “wertvolles Arbeitswerkzeug”. Aber für 63 Prozent der befragten Journalisten hat Social Media eine “geringe” bis “gar keine Relevanz”.

Keine Investitionen
38 Prozent der Journalisten empfinden Social Media als “Nervkram” oder “notwendiges Übel”. Noch schlimmer: 43 Prozent der Redaktionen planen keine Investitionen in diesem Bereich. Und das bedeutet wohl auch: keine Schulungen für die Redakteure. Die wären der erste Schritt, um Angst und Skepsis abzubauen und sinnvolle, effiziente Wege für die Nutzung von Plattformen wie Facebook und Tools wie Twitter aufzuzeigen.

Ich fürchte allerdings, dass sich im Social Web gerade das wiederholt, was bis vor kurzem noch fürs ganze Internet galt: Aus Sicht der Verlage und ihrer Mitarbeiter ist das Ganze ein böser Spuk, der nichts bringt und hoffentlich bald wieder verschwindet.

Wird er aber nicht.

Natürlich gibt es inzwischen auch viele Journalisten, die begeistert mit den neuen Kommunikations-Kanälen umgehen, doch immer noch bleiben die meisten davon Einzelkämpfer ohne Rückendeckung durch ihre Chefs. Meine Meinung: Wer sich Social Media verweigert, riskiert seine berufliche Zukunft. Siehe dazu auch Thomas Knüwer in einem kürzlichen Blog-Eintrag zum Tarifstreit in der Zeitungsbranche. Ob es um Recherche, Netzwerk-Aufbau, Informanten- oder Expertensuche geht – soziale Netzwerke werden für Journalisten immer wichtiger.

Den ein oder anderen wird es nerven, aber ich möchte dennoch mit einem von mir oft zitierten Gegenbeispiel enden: Was meine Ex-Kollegen bei CHIP Online auf Facebook zeigen, sollte durchaus als Inspiration dienen. Im Übrigen: Immer mehr Unternehmen entdecken das Social Web als Forum für Dialog, Kommunikation und Zielgruppenansprache. Die traditionelle Pressemitteilung dürfte irgendwann aussterben. Es gilt bereits jetzt, sich darauf vorzubereiten. (Uwe Baltner)

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Uwe Baltner

SMO14 – Social Media Optimierung für KMUs. Wir können Content und Kommunikation.
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